Fortschritte

Entwicklungsschritte für Überlebende von sexuellem, emotionalem und psychischem Mißbrauch:

  1.   Ich kann mit meinem Schmerz nicht allein fertig werden. Ich muß mir Hilfe suchen.
  2.  Ich gestehe mir ein, dass Furchtbares geschehen ist, ich weiß, dass ich es mir nicht bloss einbilde, als Kind war ich ein hilfloses Opfer.
  3. Ich beginne meine Gefühle wahrzunehmen. Vielleicht sind es Traurigkeit, Angst, Zorn, Schuld oder Scham. Ich lasse all diese Gefühle zu.
  4. Ich spreche ehrlich und ausführlich mit meiner Therapeutin/meinem Therapeuten über das Erlebte. Ich durchlebe jeden Vorfall noch einmal, soweit ich mich erinnern kann und beginne mich mit den dazugehörigen Gefühlen auseinander zu setzen. Ich teile meine Gefühl der Scham evt. mit Mitgliedern einer Gruppe von Überlebenden.
  5. Ich beginne zu erkennen und anzuerkennen, dass ich mich zur Zeit des Geschehens angemessen verhalten habe. Das Verhalten war angemessen, der Mißbrauch nicht.
  6. Ich erkenne den Zusammenhang zwischen den Übergriffen und meinen heutigen Verhaltensmustern und Beziehungen. Ich beginne eine gewisse Eigenverantwortung zu entwickeln.
  7. Ich erkenne, dass ich selbst bestimmen kann und darf, ob ich eine Konfrontation mit dem Täter/den Tätern haben will oder nicht.
  8. In dem Maße in dem ich lerne meinen eigenen Wahrnehmungen zu trauen, beginne ich zu verstehen, welche Wünsche ich mit einer Beziehung verbinde.
  9. Ich kann Intimität und Nähe genießen.
  10. Ich entwickle ein Bewußtsein meines Selbst und mein Selbstwertgefühl hat zugenommen.
  11. Mein Widerstand über das Erlebte zu sprechen hat abgenommen.
  12. Ich erkenne, dass ich die Wahl habe, dem Täter/den Tätern vergeben will oder nicht. Ich habe mir selbst vergeben.
  13. Ich bin fähig, meine zurückliegende Wut zu spüren, aber ich habe mich soweit davon gelöst, dass sie kein dauerhafter Bestand meines Gefühlslebens ist und weder meine sonstigen Emotionen noch die Bewältigung meines Alltags und die Beziehung zu anderen Menschen beeinflusst in negativer Weise. Ich lebe nicht mehr in der Vergangenheit. Ich lebe in der Gegenwart und ich heiße die Zukunft mit all ihren Sorgen, Ängsten, Unvollkommenheiten und Widrigkeiten willkommen

 

angelehnt an Aussagen aus dem Buch von Karen Lison; Carol Poston: „Weiterleben nach dem Inzest“

19 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Katrin - musikhai
    Mai 05, 2016 @ 21:05:50

    Toll! Wie hast du das nur geschafft? 😓

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    • Ilanah
      Mai 05, 2016 @ 21:08:30

      Das frage ich mich auch oft.
      Auf jedenfall durch über zwanzig Jahre knallharte Trauma-Therapie.

      Gefällt 3 Personen

      Antwort

      • Katrin - musikhai
        Mai 05, 2016 @ 21:23:00

        Meine Therapeutin hat gesagt, dass sie mir nicht helfen könne, wenn ich mich nicht öffne. Das hat die Therapeutin davor auch gesagt. Sie meinte: „Sie stehen noch genau so da wie am Anfang.“ Aber 2,5 Jahre und dann wieder 2 Jahre warten bis die KK wieder die Kosten dafür übernimmt. Das bringt nichts. 😒

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        • Ilanah
          Mai 05, 2016 @ 21:26:51

          War bei mir anfangs auch so. Zum Glück hat meine erste Thera mich nicht gedrängelt, das hilft gar nichts.
          Ich muss meine Therapie von Anfang selbst zahlen.
          Meine jetzige Thera hat zum Glück eine gute Regelung, sie nimmt 2,5% vom Einkommen, das ist machbar für jeden.
          Kennst du den Fonds der Regierung, da bekommt man Geld für die Therapie. Es dauert allerdings bis das bearbeitet ist.
          Für die Überbrückung empfehle ich immer die Sozialberatung der Caritas, die sind echt klasse.

          Gefällt 3 Personen

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        • Benita Wiese (Pseudonym)
          Mai 05, 2016 @ 21:37:48

          Ich kann dich nur ermutigen weiter zu machen. Es ist schließlich DEIN Leben und das ist es wert, dass die Folgen von Gewalt dich nicht mehr belasten. Und bei mir hat es auch lange gedauert, bis ich Vertrauen fassen konnte. Da braucht es auch wirklich einen guten Draht zur Therapeutin. Wenn’s nicht passt, lieber wechseln.Dass die Thera auch eine Ausbildung in Trauma-Therapie hat ist auch wichtig. In Österreich ist es so, dass viele auch Sozialtarife haben, wenn man sie darauf anspricht. Denke, dass das in Deutschland nicht anders ist.

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          • Ilanah
            Mai 06, 2016 @ 03:43:45

            Es ist hier nicht so einfach, gute Traumatherapeuten zu finden. Es gibt einfach zu wenig Plätze, dabei ist der Bedarf enorm.
            Aber es lohnt sich, dran zu bleiben.
            Die Finanzierung ist nicht ganz so einfach, aber die meisten Therapeuten lassen mit sich reden.

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            • Benita Wiese (Pseudonym)
              Mai 06, 2016 @ 14:58:05

              Ja, mit den Traumatherapeuten ist es hier auch nicht anders – leider. Aber eine Bereitschaft sich mit Traumatherapie zu beschäftigen sollte doch zu erkennen sein. Punkto Finanzierung glaube ich, dass wir es hier in Österrr. einfacher haben. Kämpfen muss man aber auch hier. … Und ja, es lohnt sich! 🙂

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  2. Simmis Mama
    Mai 05, 2016 @ 23:59:30

    Tolle Punkte. Gerade grüble ich über eine Person die ich gern habe. Jetzt weiß ich was ich ihr als nächstes sage

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  3. vivilacht
    Mai 06, 2016 @ 06:41:54

    liebe Ilanah, ich wuensche dir vom ganzen Herzen, dass du es ganz verarbeiten kannst. Dass die Hilfe die du bekommst, dir wirklich und persoehnlich gut tut. Alles LIebe von mir

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    • Ilanah
      Mai 06, 2016 @ 06:58:02

      Verarbeitet habe ich es schon. Aber die Spätfolgen sind täglich spürbar.
      eine entgültige Heilung gibt es leider nicht. Aber man kann lernen mit den Folgen zu leben und ein gutes und glückliches Leben zu haben. Einfach ist es nicht, und langwierig ist es auch. Ich bin schon über zwanzig Jahre in einer Trauma-Therapie.
      Werde sie wohl lebenslänglich brauchen, aber das ist mir lieber als irgendwelche Psycho-Pillen zu schlucken.

      Gefällt 2 Personen

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  4. Manfred
    Mai 06, 2016 @ 11:26:23

    Man muss doch versuchen diese Erlebnisse zu verdrängen. Nach dem 2. Weltkrieg mussten die Menschen ja auch vergessen können und die Meisten haben es auch geschafft.

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    • vivilacht
      Mai 06, 2016 @ 13:29:41

      geschafft? nein, aber verdrengt und ja nciht darueber reden. Jedenfalls die meisten KZler.

      Gefällt 1 Person

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      • Ilanah
        Mai 08, 2016 @ 17:01:51

        Ja; schaffen kann man das kaum. Der Schmerz sitzt tief, die empfundene Ohnmacht und Hilflosigkeit, die lassen sich nicht verdrängen.
        Schade, dass so wenige darüber reden, bzw. geredet haben.

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        Antwort

    • Benita Wiese (Pseudonym)
      Mai 06, 2016 @ 15:23:19

      Bin eindeutig bei vivilacht. Nicht nur die KZler haben verdrängt. Und es gibt mittlerweile auch gute Studien dazu wie die Gewalt in diesen traumatisierten Familien weiter gegeben wurde an die Kinder, die niemals Krieg erlebt hatten. Ich empfehle dazu die Bücher von Susanne Bode „Die vergessene Generation“ … über Kriegskinder und „Kriegsenkel – die Erben der vergessenen Generation“. Verdrängte (sexualisierte) Gewalt führt zur Wiederholung auf die eine oder andere Weise. Das ist meine These, nach Jahrzehnten der Beschäftigung mit diesem Gebiet. Und leidvoller Selbsterfahrung in meiner Kindheit, wozu Verdrängung führen kann. Ach ja, die Bücher von Arno Gruen z.B. Der Kampf um die Demokratie u.a.m sind ebenso empfehlenswert.

      Gefällt 1 Person

      Antwort

    • Ilanah
      Mai 08, 2016 @ 16:57:57

      Nein, nicht verdrängen, verarbeiten.
      Sonst gibt man den Schmerz eins zu eins weiter an die Kinder und die Enkel.
      Nicht wenige wundern sich, warum ihre Kinder oder Enkel „nichts auf die Reihe kriegen“. Dabei wirkt der Schmerz der Eltern und/oder Großeltern weiter in ihnen und legt sie quasi lahm.

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  5. ellilyrik
    Mai 09, 2016 @ 15:21:21

    Liebe Lilly!
    Sehr gut, DANKE für deinen Beitrag!
    Verbunden visuell umarme!
    Alles Liebe, Elke

    Gefällt mir

    Antwort

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